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Prolegomena zu den "Briefen"

Ziel dieser „Briefe“ ist nicht, ein ethisches System zu schaffen, dass sich zu einer Schule ausbauen ließe und dem suchenden Menschen Prinzipien an die Hand gibt, nach denen er leben und den Zustand seligen Glücks erreichen soll. Mag der Gegenstand dieser fiktiven Korrespondenz doch im Wesentlichen ethischer Natur sein, so will sie dennoch nicht befehlen, belehren oder gar zwingen. Die moralische Voraussetzung für die Briefe ist eine konsequente Lebensbejahung, auf deren Basis eine Kritik der bisherigen, vor allem aber unserer Sittenlehre begonnen wird – zum einen will sie also die Moralvorstellungen unseres Zeitalters hinterfragen, andererseits aber will sie mit ihrer Kritik keinen finalen Abschluss erreichen, sondern die Schlüsse, die gezogen werden, nur als Baugrund verstanden sehen. Denn wenn ich mir das Ziel setze, Kritik als Ackerboden für Neuerung zu betrachten – und Kritik ist immer, wenn sie nicht um der Kritik selbst willen angebracht wird, ein Ackerboden – gleichwohl aber diese Neuerungen nicht als systematisches Konzept vorstellen will, so befinde ich mich in einer erstaunlichen, einer seltsamen Lage. Denn einerseits verwerfe ich mit meiner Kritik, andererseits aber scheine ich den Pfad in eine neue Richtung nicht beschreiten zu wollen. Ich kann also nur die Schlüsse, die sich unmittelbar aus meiner Kritik ergeben, als Nährboden betrachten und sie dementsprechend konzipieren.

Denn auch wenn die in den Briefen enthaltenen Schlüsse einen überaus finalen Charakter haben mögen, so sind sie dennoch nicht als geschlossenes System gedacht und betrachten sich vor allem als Antwort auf das Überkommene, das scheinbar Veraltete. Der Autor selbst ist im Übrigen keineswegs davon überzeugt, dass seine Ausführungen nicht auch dem Hammer der Kritik unterworfen werden könnten.

Das nun Gesagte gilt für alle in den Briefen angesprochenen Gebiete – damit allerdings wurde nur die Intention der Briefe kurzweilig dargestellt. Tatsächlich steht hinter ihnen auch der Versuch, verschiedene Gedanken und einfach gehaltene Weltanschauungen zu interpretieren, zu verarbeiten, kurz, die eigene Weltsicht für die Dauer eines zu verfassenden Briefes zu ändern. Wie Feuerbach bereits richtig sagte, ist Widerlegen leicht, Verstehen nur sehr schwer. Und der Autor der Briefe erhebt in keinem Falle den Anspruch, selbst der Soziopath, der Doxomane oder ein anderer Schreiberling zu sein – im Gegenteil, er will vielmehr klar ersichtlich machen, dass die schreibenden Personen die Produkte reiner Imagination sind und die den Gedanken als Geburtshelfer beigegebenen Situationen und Beziehungen dürfen nur als karge, einfache Widergabe möglicher Realverhältnisse verstanden werden.

Die Briefe sind also nichts weiter als Versuch und Interpretation – der Autor hofft, dass sie auch Triebfeder und Ratgeber sein mögen.

26.8.15 22:05

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